Lunt Umbau
Schematische Darstellung eines H-Alpha-Filtersystems mit Energieschutzfilter, Etalon und Blockfilter.
Ein H-Alpha-Filtersystem besteht aus drei aufeinander abgestimmten Komponenten, die gemeinsam das extrem schmale Spektrum der H-Alpha-Linie (656,28 nm) isolieren:
- Energieschutzfilter (ERF): Blockt den Großteil der Sonnenstrahlung, besonders IR/UV, schützt das Etalon und reduziert die Lichtmenge.
- Etalon: Zwei Metall oder Kristall Platten mit Luft-Spalt erzeugen durch Interferenz ein extrem schmales Durchlassfenster (<0,7 Å).
- Blockfilter: Filtert die Nebenmaxima des Etalons und lässt nur den Bereich um H-Alpha durch.
Umbau eines 50 mm Lunt auf mehr Öffnung
Wenn man einen kleinen Lunt oder einen Coronado PST besitzt und mehr Auflösung möchte, kann man ihn umbauen. Bekannter ist der PST-Umbau, hier geht es um den weniger verbreiteten Lunt-Umbau.
Demontage des Lunt 50 mm
Zuerst benötigt man einen 50 mm Lunt.
Von diesem schraubt man den vorderen Teil, den weißen Tubus, ab. Nun bleiben der Druckfilter und der Blockfilter übrig.
Anschluss an ein größeres Teleskop
Ein Linsenteleskop beliebiger Größe mit ausreichend Backfocus und Öffnungsverhältnis um f/7 (f/6–f/8 gehen auch) wird benötigt. Den Etalon mit Blockfilter schrauben wir hinten an den Okularauszug oder direkt an den Tubus; das Etalon hat ein Außengewinde M63.
Um Druck- und Blockfilter zu schützen, wird ein Energieschutzfilter (ERF) vor das Objektiv gesetzt. Er sollte die Öffnung auf etwa f/7 bringen oder voll offen lassen. Bei einer 102 mm Linse sitzt ein 110 mm ERF, damit die vollen 102 mm genutzt werden können. Eine passende Fassung (Eigenbau oder Maßanfertigung) wird benötigt, anschließend wird der ERF eingesetzt.
Fokus und Tubuslänge
Für den Betrieb mit Binokularansatz wurde der Tubus um 5 cm gekürzt. Wichtig: Strahlenkegel vorher durchrechnen, damit nichts beschnitten wird.
Zuletzt wurde das Design optimiert, die Fassung des D-ERF passend rot lackiert.
Verbesserungen für die Beobachtung
- Binokularansatz: Seeing wirkt weniger störend, höhere Vergrößerungen möglich, größeres und angenehmeres Gesichtsfeld.
- Okularauszug: Ein stabilerer OAZ (z. B. Adriano Loli, Feathertouch als High-End) verhindert Verkippungen und kann etwas Backfocus bringen.
- Abdunklung: Bino Bandit statt Tuch – effektiver und angenehmer.
- Sonnenblende: Eine einfache Blende hilft, wenn das Bild zu hell ist.
Weitere Optimierungen
D-ERF leicht verkippen (ca. 2–3°): Das H-Alpha-Licht sollte nicht exakt parallel auf den Filter fallen. Die Neigung verschiebt Reflexionen aus dem Sonnenbild, der Hintergrund wird dunkler und der Kontrast steigt.
BG38-Filter im Blockfilter entfernen: Im Blockfilter sitzt ein BG-Glas, das abdunkelt und UV/IR blockt. Bei der Kombination Baader D-ERF übernimmt der D-ERF den UV/IR-Schutz, daher wurde der BG38 entfernt. Ergebnis: deutlich helleres, kontrastreicheres Bild, selbst bei über 200-facher Vergrößerung ohne zusätzliche Abdunklung.
Achtung: Das Weglassen des BG38 gilt nur für diese Filterkombination. Bei anderen Setups kann der BG38 zwingend notwendig sein.
Okulare
Getestete Optionen für H-Alpha:
- Plössl-Okulare: Einfacher Aufbau, gut geeignet; hochwertige Modelle wie TeleVue werden oft empfohlen.
- TeleVue DeLite: Sehr helles Bild, größeres Gesichtsfeld, aber teuer.
- Orthoskopische Okulare: Spitzen-Okulare für Planeten, einfacher Aufbau, hier das beste Ergebnis.
Über 200-fach Vergrößerung ist damit problemlos möglich; Details und Protuberanzen erscheinen groß und klar – genau das Ziel des Umbaus.